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- how long now, Tacheles?
Das Tacheles ist eine bemerkenswerte Institution aus der Zeit direkt nach der Wende, als ein Kollektiv von Künstlern und Alternativen die leerstehende Ruine besetzte, vor dem geplanten Abriss bewahrte und sie einer multikulturellen Verwendung zugeführt wurde. Der letzte erhaltene Teil des ehemaligen, 1908 eröffneten Kaufhauses Friedrichstadt-Passage sollte nicht ebenso gesprengt werden wie der Rest der Anlage. Aus der ehemals illegalen Aktion resultierte nach vielen Kämpfen mit der Bürokratie der Denkmalschutz für das Tacheles und ein neues Nutzungskonzept - heute bietet das Tacheles ein Forum für Inszenierungen der freien Theaterszene, experimentelle Musikprojekte, Tanz und Performances. Neben Theaterräumen gibt es etwa 30 Ateliers, Werkstätten, Studios, ein Programmkino und ein Café - die ehemalige Brache hat ihren Platz im kulturellen Leben der Stadt gefunden und behauptet.
Ich weiß noch, wie ich Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal da war: ja, so hatte man sich Berlin vorgestellt: abgerockt, alternativ, baufällig - aber mit Charme. Metallskulpturen, iranische Geigenmusik von Farid Farjad und Flaschenbier sind mir irgendwie in Erinnerung geblieben und haben dem Tacheles einen Platz im Herzen bewahrt den ich immer wieder gerne aufsuche. In den letzten Jahren, nach Verkauf des Areals an die Fundus-Gruppe (die in Berlin auch das Hotel Adlon gebaut hat) hört man eigentlich nur noch von Stress des Vereins mit den Mietern (Zapata vs. Tacheles), Stress des Vereins mit dem Besitzer (Tacheles vs. Fundus, Tacheles vs. HSH Nordbank), Mietschulden, Räumungsklagen etc. - schade, denn so zerlegt sich ein Denkmal der Kulturszene öffentlich vor aller Augen selbst.
Dass die Stadt Berlin sich hier nicht eindeutiger auf der Seites des Tacheles positioniert (obwohl, hat sie ja: seit 2002 wird das Tacheles nicht mehr öffentlich gefördert) im Positionskrieg zwischen Kultur und Kommerz ist ja schon beschämend genug, aber es geht eindeutig in die Richtung die die Stadt auch beim Spreeufer und anderen "prime locations" eingeschlagen hat. So kann man nur hoffen, dass die momentane Finanzkrise (fantastisch, diesen Passus mußte ich seit 2000 und der ersten Fassung dieses Textes nie umschreiben - irgendwo ist immer Krise) mangels Investoren weiter dafür sorgt, dass das 400 Millionen Euro Projekt "Quartier am Johannishof" der Fundus-Gruppe erstmal nicht gebaut wird und der Stadt Berlin ein Kulturdenkmal ersten Ranges erhalten bleibt.




