HOLOCAUST MAHNMAL
Ebertstr. / Ecke Wilhelmstr.
10117 Berlin
Öffnungszeiten: Stelenfeld tags und nachts frei zugänglich

- © Berlin Partner/FTB-Werbefotografie
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, umgangssprachlich kurz Holocaust-Mahnmal genannt, ist die Umsetzung des aus einem etwa 19.000 m² großen Stelenfeld bestehenden Vorschlags des New Yorker Architekten Peter Eisenman und des New Yorker Bildhauers Richard Serra.
Es befindet sich gegenüber des Hotel Adlon und der amerikanischen Botschaft an der Ebertstrasse in Berlin-Mitte. Nach jahrelangen Kontroversen um den Entwurf, die an der Planung und baulichen Umsetzung beteiligten Firmen und die Kosten wurde das Holocaust-Mahnmal am 10. Mai 2005 eingeweiht. Seitdem hat es sich, zusammen mit dem darunter befindlichen Ort der Information, einem Museums- und Dokumentationszentrum, zu einem Publikumsmagnet entwickelt. Von Eisenman ausdrücklich als "place of no meaning" bezeichnet, da das Ausmass des Holocaust nicht mit traditionellen Mitteln repräsentiert werden könne, wurden dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas von Anfang an viele verschiedene, sich teilweise widersprechende Deutungen zugeschrieben.
Das optisch beeindruckende Stelenfeld, dessen 2711 in leichtem Winkel geneigte Betonstelen auf einer gewellten Grundfläche in parallelen Reihen angeordnet sind, verursacht beim Betrachter durch die engen Reihen ein beklemmendes Gefühl der Isolation und Verunsicherung - jedenfalls wird dieser Effekt von vielen Besuchern beschrieben. Im Sommer, wenn sich bei hellem Sonnenschein hunderte Besucher auf den niedrigen Stelen niederlassen um Pause vom Stadtrundgang zu machen, dort zu essen oder zu trinken hat der Ort diesen Effekt sicherlich nicht, sondern wirkt wie eine grosse Freizeitanlage.
An grauen Wintertagen, wenn man alleine durch die Stelengänge wandelt (der Abstand zwischen den Stelen ist zu schmal, um zu zweit nebeneinander herzugehen), dafür umso mehr. Da auch optisch kein Bezug zum Holocaust erkennbar ist, wurde das Mahnmal oft kritisiert, sowohl wegen seines generellen Sinnes, da die Juden sicher kein Denkmal benötigen um sich an die Shoah zu erinnern, als auch wegen der Tatsache, dass durch den Bau Geldmittel gebunden werden die beim Erhalt der authentischen Gedenkstätten in den ehemaligen Vernichtungslagern fehlen.
Als Mahnmal von Deutschen für Deutsche erfüllt es aber an diesem zentralen Ort in Berlin sicher den Zweck, für den es gedacht war - seit der Eröffnung haben mehrere Millionen Menschen das Holocaust-Mahnmal auf sich wirken lassen und ein Nachlassen des Interesses ist nicht festzustellen. Ex-Kanzler Gerhard Schröder sagte einmal, das Denkmal solle ein Ort sein "zu dem man gerne hingeht" - das kann man durchaus als Profanisierung der Erinnerung an Unvorstellbares bezeichnen, aber genauso ist es eben gekommen, was wohl den größtmöglichen Kontrast zu den authentischen Gedenkstätten darstellt.
Schwer vorstellbar, dass sich irgendwer "gerne" Dachau oder Auschwitz-Birkenau ansieht. Eisenmans Mahnmal ist, anders als die historischen Stätten der Unmenschlichkeit, einfach ein betoniertes "Wir werden nicht vergessen" in Berlins Zentrum - als Mahnmal und Bekräftigung dieses Vorsatzes für Deutsche wie für ausländische Besucher. Genau deshalb ist es wichtig - es gewährleistet, ebenso wie zum Beispiel das Projekt der Stolpersteine, dass die Erinnerung nicht aus dem Stadtbild Berlins verschwindet.




