
- Gaststätte W. Prassnik, Mitte
Die Gaststätte W. Prassnik, kurz einfach Prassnik genannt, hat sich seit dem Locationsite-Umzug nach Berlin als liebster Feierabendbier-Hangout herauskristallisiert - das scheint vielen "was mit Internet"- Menschen so zu gehen, denn ebenfalls um die Ecke wohnende Inhaber gutgehender Frisuren werden hier auch öfter gesichtet. Gemütliches, irgendwie 70er Jahre angehauchtes Ambiente, nettes Personal und, ganz Mitte-untypisch, zivile Getränkepreise. Das Prassnik bezeichnet sich selbst als "perfekte Emulation einer HO-Gaststätte" - als zugezogener Westler hat man so seine Probleme, das in Einklang zu bringen.
HO stelle ich mir jedenfalls irgendwie piefiger und weniger gemütlich vor, aber das mag an der Sozialisation im Rheinland liegen. Liebevolle Details wie die alten Tapeten mit Gilbstich, die aus der Zeit von Willi Prassnik geretteten Getränkekarten und der Phlegmat 70 (ein Verkaufsautomat aus dem VEB Luma, bei dem man auf dem Gang zur Toilette Erdnüsse erstehen kann) lassen dann doch etwas Charme der alten Zeiten aufkommen, um den hassenswerten Begriff der Ostalgie zu vermeiden.
Das Prassnik jedenfalls ist eine Insel der Ruhe im Mitte-Lärm, schön verraucht (daher Eintritt erst ab 18), mit dem Prassnik Hellem hat man seine eigene Hausmarke im Angebot, die mir sehr gut schmeckt, und Berliner Pilsener sowie kleine deftige Speisen gegen den Hunger gibt es ebenfalls. Dazu eine kleine, aber gute Auswahl an Spirits und Longdrinks, mit denen man es sich an den Resopaltischen gemütlich machen kann.
Sämtliche Sitzmöbel und Einrichtungsgegenstände des Prassnik stammen aus DDR-Fabrikation, und zumindest in der Hinsicht ist die Emulation perfekt gelungen. Ansonsten ist die Gaststätte W. Prassnik ein erfreulich unmittiger Mitteschuppen, in dem man auch als Alleinetrinker oder auf Nachkommende-Wartender gemütlich an der Theke rauchend seine Zeitung lesen kann - dafür Extrapunkte und die Auszeichnung als Locationsite-Lieblingsladen. Hingehen!





